"Wir leben nicht auf einer Insel"
Bioboom, 18.09.09
Bio-Milchbauer Johannes Berger träumt von fairen Milchpreisen für alle
Johannes Berger sieht nicht so aus, wie sich ein Stadtmensch einen Milchbauern vorstellt. Statt Gummistiefeln trägt er robuste Lederschuhe, statt Latzhose eine beige Jeans. Um zehn Uhr morgens trifft man ihn nicht etwa im Stall zwischen Kuhmist und Stroh, sondern an seinem Schreibtisch in einem kleinen Zwei-Mann-Büro. Der Computerbildschirm flimmert während der Ventilator surrend für frische Luft sorgt. Immerhin: Die Aussicht aus dem Fenster stimmt. Johannes Berger blickt auf den Kuhstall.
Von Bio-Milch leben können
Südlich des Teutoburger Waldes liegt das Gut Wilhelmsdorf, das an den ökologischen Anbauverband Bioland angeschlossen ist. Berger hat das Gut 1995 zusammen mit seinem Kollegen Ulrich Schumacher gepachtet. Die beiden Diplom-Agraringenieure stellten den Hof nach Bio-Richtlinien um. "Etwas anderes kam für uns nicht in Frage", sagt Berger, "aber viele waren skeptisch. Die meisten haben uns nicht mehr als zwei Jahre gegeben". Doch der Erfolg sollte Johannes Berger und seinem Partner Recht geben. Bereits drei Jahre nach der Übernahme des Betriebs bauten sie eine eigene Hofmolkerei auf, die heute täglich bis zu 4.000 Liter Milch pasteurisiert.
Und von der Bio-Milch lässt sich leben. Der mittelgroße Betrieb beschäftigt in der Landwirtschaft zwei Festangestellte, zwei Lehrlinge und je nach Erntezeit noch zwei Aushilfen. Dazu kommen 25 Angestellte in der Molkerei, dem eigenen Hofladen und dem Vertrieb. "Die meisten sind allerdings nur Teilzeit- oder 400 Euro-Kräfte", sagt Berger. Im Gegensatz zu konventionellen Milchbauern, die wegen der Milchpreis-Krise um ihre Existenz bangen, scheint hier die Welt noch in Ordnung. Von Entlassungen oder der Schließung des Betriebs ist keine Rede. Trotzdem ist die Milchpreis-Krise auch in Bielefeld angekommen. "Wir leben hier nicht auf einer Insel", sagt Berger, "je gerechter der konventionelle Milchpreis ist, desto besser ist auch der Marktpreis der Bio-Milch". Von fairen Preisen sei man auch im Bio-Milchsektor noch weit entfernt.
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